geschwisterliebe..

mein bruder ist kaum jünger als ich, beinah wären wir zwillinge geworden. wir lebten am land. und wie schön das war! mit streuobstwiesen, kirschenkletterbäumen, kirschenkernspuckwettbewerben, jungen hasen und katzen, dreck an den händen, aufgeschundenen knien, lachkrämpfen, beulen am kopf vom blinde kuh spielen zwischen den obstbäumen und tränen tröstendem früchtetee mit schmalzbrot von oma oder der mama. aber wir stritten uns auch. und gar nicht wenig. es gab eine zeit, da prügelten wir uns täglich. an mamas nerven haben wir damit sicher üppig gezerrt. aber darum schert man sich ja nicht als kind.

einmal riss er mir ein ganzes büschel haare auf einmal aus. worauf ich meine haarbürste nach ihm schleuderte. volltreffer. mitten auf die stirn. der bürstengriff brach ab, so eine wucht hatte der aufprall. beinahe wäre die beule aufgeplatzt. geschwisterliebe.

aber meistens hielten wir zusammen wie das harz und die rinde des kirschenbaums. als wir unseren lieben wellensittich beerdigen mussten, weil er sich nach einem prankenhieb der katze am morgen darauf nicht mehr rührte, waren wir uns einig, dass wir so einen talentierten vogel nicht mehr finden würden. wir betrauerten ihn, und unsere träume mit ihm im zirkus aufzutreten, unterm fliederbusch, mit selbst gezimmertem kreuz und allem was dazugehört. tränen, blumen und amen.

nach ein paar wochen, unsere trauer war schnell dahin, interessierte uns brennend wie unser hansi wohl jetzt aussehen würde. also gruben wir. unterm fliederbusch. mit omas kleiner gartenharke aus dem küchengartl. zu unserem glück hatte ihn nicht in der zwischenzeit die katze gefunden. er war also noch da. wie abenteuerlich das war! die federn waren sogar noch ein bisserl bläulich und die kleinen knöchelchen der flügel freigelegt. wir sezierten den verwesenden kadaver mit stöckchen. uns grauste kein bisschen. irgendwann hatten wir genug und weil er ja immer noch unser hansi war, beerdigten wir ihn ein zweites mal. nur, dass wir seine überreste diesmal schön ordentlich in ein altes kartonschachterl sortierten. dann erde drauf, wieder das kreuz, blumen und amen.

das war hochspannend und kurz überlegten wir, ob wir dasselbe beim „katzenfriedhof“ unterm nussbaum, im letzten winkel des gartens, auch versuchen sollten. im namen der wissenschaft sozusagen. aber wir trauten uns nicht. katzen waren uns ein bisserl zu groß. die katzengöttin hätte uns verfluchen können, wenn wir dort herumgegraben und verstorbene entweiht hätten. nein, das ließen wir sein. möge der großen katzengöttin alle ehre zu teil werden. kreuz, blumen und amen.

erinnerst du dich, bruderherz? alles gute zum geburtstag!

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msp

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2 Gedanken zu “geschwisterliebe..

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