ein rilke..

die liebende
 
das ist mein fenster.
eben bin ich so sanft erwacht.
ich dachte, ich würde schweben.
bis wohin reicht mein leben,
und wo beginnt die nacht?
 
ich könnte meinen,
alles wäre noch ich ringsum;
durchsichtig wie eines kristalles tiefe,
verdunkelt, stumm.
ich könnte auch noch die sterne fassen in mir;
so groß scheint mir mein herz;
so gerne ließ es ihn wieder los
 
den ich vielleicht zu lieben,
vielleicht zu halten begann.
fremd, wie nie beschrieben
sieht mich mein schicksal an.
 
was bin ich unter diese unendlichkeit gelegt,
duftend wie eine wiese,
hin und her bewegt,
 
rufend zugleich und bange,
dass einer den ruf vernimmt,
und zum untergange
in einem andern bestimmt.
 
(rainer maria rilke)
 
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msp´s lieblingsrilke
 
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3 Gedanken zu “ein rilke..

  1. Rilke Medley

    I

    Wie ein Singen kommt und geht in Gassen
    und sich nähert uns sich wieder scheut,
    flügelschlagend, manchmal fast zu fassen
    und dann wieder weit hinausgestreut
    […]
    Und oben blieb? – – Die Stille nur, ich glaube,
    und kostet langsam und von nichts gedrängt
    Beere um Beere aus der süßen Traube
    des Glockenspiels, das in den Himmeln hängt.
    […]
    Wie habe ich gefühlt was Abschied heißt.
    Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
    grausames Etwas, das ein Schönverbundenes
    noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

    II

    Schimmernde Schwäne in prahlenden Posen,
    gleiten leise auf glänzendem Glatt,
    aus der Tiefe tauchen die Rosen,
    wie Sagen einer versunkenen Stadt.

    Fern hör ich die Fontäne hallen,
    ein Märchen, das ich längst vergaß, –
    und dann ein leises Apfelfallen
    ins hohe, regungslose Gras.
    […]
    Wenn etwas mir vom Fenster fällt
    (und wenn es auch das Kleinste wäre)
    wie stürzt sich das Gesetz der Schwere
    gewaltig wie ein Wind vom Meere
    auf jeden Ball und jede Beere
    und trägt sie in den Kern der Welt.
    […]
    Ein Leben ward vielleicht verschmäht, wer weiß?
    Ein Glück war da und wurde hingegeben,
    und endlich wurde doch, um jeden Preis,
    dies Ding daraus, nicht leichter als das Leben
    und doch so vollendet und so schön, als sei’s
    nicht mehr zu früh, zu lächeln und zu schweben

    III

    Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
    und keine Heimat haben in der Zeit.
    Und das sind Wünsche: leise Dialoge
    täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

    Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
    die einsamste Stunde steigt,
    die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
    dem Ewigen entgegenschweigt.
    […]
    Du wirst nur mit der Tat erfasst,
    mit Händen nur erhellt;
    ein jeder Sinn ist nur ein Gast
    und sehnt sich aus der Welt.
    […]
    Darfst das Leben mit Würde ertragen,
    nur die Kleinlichen macht es klein;
    Bettler können dir Bruder sagen,
    und du kannst doch ein König sein.
    […]
    Schau ich die Blaue Nacht, vom Mai verschneit,
    in der die Welten weite Wege reisen,
    mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
    in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
    und will hinauf und will mit ihnen kreisen…
    Und das ist Seele.

    IV

    Gott, wie begreif ich deine Stunde,
    als du, dass sie im Raum sich runde,
    die Stimme vor dich hingestellt;
    dir war das Nichts wie eine Wunde,
    da kühltest du sie mit der Welt.
    […]
    König, hörst du wie mein Saitenspiel
    Fernen wirft, durch die wir uns bewegen:
    Sterne treiben uns verwirrt entgegen,
    und wir fallen endlich wie ein Regen,
    und es blüht, wo dieser Regen fiel.
    […]

    V

    Stiller Freund der vielen Fernen, fühle,
    wie dein Atem noch den Raum vermehrt.
    Im Gebälk der finstern Glockenstühle
    laß dich läuten. Das, was an dir zehrt,

    wird ein Starkes über dieser Nahrung.
    Geh in der Verwandlung aus und ein.
    Was ist deine leidendste Erfahrung?
    Ist dir Trinken bitter, werde Wein.

    Sei in dieser Nacht aus Übermaß
    Zauberkraft am Kreuzweg deiner Sinne,
    ihrer seltsamen Begegnung Sinn.

    Und wenn dich das Irdische vergaß,
    zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
    Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.

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